| Geschichte von Bagutta |
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Man sieht ihm seine fast siebzig Jahre nicht an und vielleicht
ist dies der Grund, warum es BAGUTTA ist und bleibt: das in seiner Art
unverdorbenste Wirtshaus und Restaurant von Mailand: einfach, echt, intim,
háuslich und anders; vielleicht essen deshalb dort Schriftsteller,
Maler, Verleger, Modeschópfer, Mannequins, Schauspieler und Schauspielerinn-
en, Sánger, Unternehmer, Dichter und Gescháftsleute aus allen
Lándern der Welt, Arzte, Fotografen, Journalisten, Rechtsanwalte,
Ingenieure, Politiker... Wenn wir die Namen aller derjenigen auffúhren
wollten, die sich tagaus tagein in den Ráumen des Bagutta ein Stelldichein
gaben oder geben, dann wiirden die Seiten dieses Búchleins nicht
ausreichen. Aber warum geht man eigentlich ins Bagutta essen? Weil man
in diesem Wirtshaus, in dem der erste Literaturpreis Italiens entstand
(heutzutage werden in Italien alljáhrlichúber tausend dieser
Preise verliehen, die jedoch alle nach dem Bagutta entstanden) gut ist,
weil man sich. Dass dort in einer in ihrer Originalitát bestechenden Umwelt befindet und zuletzt, weil man sich dort wie zuhause fuhlt es gelingt, diesen Eindruck zu vermitteln und jedem Gast das Gefúhl zu geben, dort zuhause zu sein, das ist zuletzt der gróssté Vorzug dieses im Jahre 1924 eróffneten Lokals, an dem eines Morgens der Schriftsteller Riccardo Bacchelli vorbeiging, dem die Fronde als Aushángeschild mit ihrem antiken und einfachen Reiz so gefiel, dass er dort zum Essen einkehrte. Da er zufrieden war, besuchte er das Restaurant auch weiter und brachte ab und zu seine Freunde mit, die zu Stammkunden wurden, weil man dort wirklich gut und preiswert ass. Auf diese Art und Weise wurde dieses kleine, von Alberto Pepori aus Galleno, einem Vorort von Fucecchio, eróffnete Lokal dann im Jahre 1928 zum Treffpunkt von Schriftstellern, Malern und Journalisten. Diese beschlossen eines Abends zum Scherz, iintereinander Strafen zu verhángen. Von da an mussten Nachzúgler, diejenigen, die ganz wegblieben 1990: Text und Fotos sind zur wieder oder auf das Speisen verzichteten, um beieiner Freundin zubleiben, eine Strafe zahlen. Eines Abends sagte Orio Vergani, ein damals bereits bekannter Schriftsteller, der dann spáter sogar sehr bekannt und berúhmt werden sollte: "Nun gut, ich bezahle meine Strafe, aber warum sparen wir dieses Geld nicht und legen dann mit den Ersparnissen einen Fond fúr den Verfasser des Buches an, das uns am besten gefállt? Vergani selbst schrieb in einem Artikel, mit dem er an die Griindung des ersten italienischen Literatur preises erinnerte (und der am 15. Januar 1977 neu im Corriere d'informazione veróffentlicht wurde):"Wir holten pro Kopf hundert Lire aus der Tasche. Der Bagutta entstand auf einem grossen Porzellanteller, so wie man sie in den Wirtsháusern benutzt, die zwar nicht ganz unzerbrechlich,jedoch in den Spúlbecken nur schwer anzuschlagen sind. Nachdem so viel Zeit verstrichen ist, wáre es schóner sagen zu kónnen, dass er auf einem Blechteller entstand, so wie ihn die ambulanten Musiker zum Sammeln der Spenden benutzen. Auf diesem Teller lagen dann tausendeinhundert Lire, die den anfánglichen Fond, den ersten Spargroschen darstellten. Von da an sammelten die Baguttafreunde úber viele Jahre hinweg persónlich die Mittel..." Aber wann und wie entstand die Idee des Preises? Genau gesagt am Abend des elften November 1926. Ein weiterer bedeutender Journalist namens Paolo Monelli schrieb: "Zwischen vollen und halb leeren Glásem wurden auf einem Stúck Lebensmittelpapier die Regeln des ersten Literaturpreises Italiens niedergeschrieben. Nur einer der Preisrichter war Abstinenzler (Civiltà del bere, November 1974)". | ||||||||||||||||||
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Heute sind es hundertsìebzig und sie bedecken viele
Wánde der historischen kleinen Sále. Der grosse Schriftsteller
Dino Buzzati skizzierte ein meisterhaftes Portrát von Mario Vellani
Marchi (Modena 1985 - Mailand 1980). "Muss man denn sagen, woraus
die "Menús" von Vellani Marchi bestehen? Jedes Mal, wenn
ein Preis verliehen wurde oder wenn eine gefeierte Persónlichkeit
am Ehrentisch des Gasthauses zu Abend ass oder man einen Schriftsteller
oder einen Kúnstler fúr einen Buch, eine Ausstellung, fúr
einen Theatererfolg feìerte, wurde die Gastlichkeit der Baguttafreunde
elegant undsehmeichlerisch mit einer Farbzeichnung von Vellani Marchi besiegelt,
die alle Anwesenden unterschrieben.. Mit unerschópflicher Fantasie
gelang es diesem hervorragenden Kúnstlerjedes Mal, den"Gefeierten'in
einer wirklich neuen und úberraschenden Sauce zu kochen. | ||||||||||||||||||
| Die Ahnlichkeit der abgebildeten Persónlichkeiten, die Anmut der
Karikatur, der Geist, mit dem ihre spezifische Tátigkeit und Werke
mit Symbolen dargestellt werden, der Farbgeschmack lassen diese kleinen
Gelegenheitsbilder zu reizvollen Kunstwerken werden. Fúr Vellani
Marchi war es hauptsáchlich ein Spiel. Aber aus diesem Spiel ergab
sich eine ganze Galerie von Portráts, fúr die viele Sammler
viele Millionen Lire bezahlen wúrden. Man kann daran die Geschichte
der Literatur und der Kunst Italiens der letzten dreissig Jahre ablesen:
Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Musiker, Schau- spieler, Tánzer
und Biihnenbilder, alle sind sie dabei. Angefangen von Bacchelli bis zu
Ingrid Bergman. ...
Von ganz besonderer Bedeutung waren die Abende zu Ehren
von Riccardo Bacchelli anlásslich des Erscheinens seines Romans
"Il Diavolo a Pontelungo",der Vergani zur Feier der Veróffentlichung
von zwei Biichern mit nur wenigen Tachung von zwei Biichern mit nur wenigen
Tagen Abstand gewidmete Abend, als "Le sostegen Abstand gewidmete
Abend, als "Le soste del capogiro" und "Fantocci del carosello
im mobile" erschienen, sowie der Abend fúr Ugo Ojetti, den
damaligen Direktor des "Corriere della Sera". Bei solchen Anlássen
versammelten sich um die Tische des Bagutta die gróssten Vertreter
der Literatur, der Kúnste und des Joumalismus und zwar nicht nur
von Mailand, sondern von ganz Italien. So wurde Bagutta im Laufe der Jahre
zum Synonym von Kunst, Kultur und Literatur, die wie man heute sagt, auch
bei Tisch serviert werden... In der Luft kommt ausser den Dúften
der Kúche auch der Wohlgeruch der Poesie dazu. Das ist wahrscheinlich:
in eìner schmackhaften Speise oder in einem gut zubereiteten Gericht
findet man immer etwas davon. Auf alle Fálle atmet man in diesem
Wirtshaus die Luft der Literatur mit allen ihren Ein schránkungen,
aber auch ohne jegliche Táuschung. Die Tatsache, dass zum Beispiel
die Jury niemals ihre Vollmachten an Dritte delegiert hat, so wie es zahlreiche
Preise im Namen der Demokratie getan haben,was dann dazu fúhrt,
dass Werke nach Gelegenheitskriterien beurteilt werden, die nichts mit
dem eigentlichenWert der teilnehmenden Búcher zu tun hat, ist ein
weiterer Vertrauensfaktor des Bagutta. Im Bereich der Kultur vertraut man
dem Geschmack der Preisrichter, das heisst den der Jury angehórenden,
- Schriftstellern, Kritikem, Malern und Journalisten, so wie man bei Tisch
den Peporis traut. Dieser nazionale, aber auch sehr stark stádtische
Preis bedient sich nicht grandiosa oder aussergewóhnlicher Búhnenbilder
wie "der Campiello" (Dogenpalast in Venedig) oder "der Strega"
(Villa des Nympháums in Valle Giulia in Rom). Er wìrd zwischen
den Tischen in einer Pause an Arbeitstagen in einem sehr einfachen Rahmen
verliehen. Daher besteht er schon seit so vielen Jahren und láuft
nach Umschiffung der ßoje des halben Jahrhunderts und der sechzig
Jahre immer weiter.
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Er besitzt nicbt einmal eine komplizierte Wahlmaschine.
Wir wiederholen, dass er nur Einfachheit besitzt. Die von allen Journalisten,
die sich im Laufe der Jahre mit ihm befasst haben, bervorgebobene und gelobte
Einfachheit ist wirklich die wertvollste Eigenschaft des "mitten im
Winter' verliehenen Bagutta - schrieb der Journalist Giulio Nascimbeni
- wenn es in Mailand nebelig ist und schneit und die kleine Parallelstrasse
zur Via Montenapoleone schnell von den Gespenstern von Panzini bis Pirandello,
bis Baldini, bis Marotta uni vielen anderen berúhmten und weniger
berúhmten Leuten heimgesucht wird, die im Laufe der Zeit dort unter
den geistreichen Zeichnungen von Mario Vellani Marchi zu Abend gegessen
haben" (Corr. Inf. 15-1-1977). Und dann ist der "Bagutta" ewig jung. Alláhrlich wird seine Verleihung von der gesamten italienischen und ganz besonders von der Mailánder Presse verfolgt. In "La Notte", "Il Giorno", "Il Corriere" und "Il Giornale Nuovo" wird sehr viel vom "Bagutta" berichtet. Dies gereicht insbesondere den Preisrichtern zur Ehre, die diesen Preis am Leben halten und ihn jedes Jahr mit spannungsgeladener und vitaler Ungewissheit prásentieren. | ||||||||||||||||||
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DIE PREISRICHTER
HISTORISCHES LOKAL UND MUSEUM DIE MALER DES BAGUTTA Bagutta ist nicht nur ein Bezugspunkt fúr Schriftsteller und Literaten
oder Verleger, sondern auch fúr viele Maler und im allgemeìnen
fúr die zeitgenóssische italienische Malerei. Ein Beweis
dafúr war im Jahre 1978 eine Ausstellung der "Maler des Bagutta"
in Villa Simes, in der frúheren Prunkvilla Contarini in Piazzola
del Brenta. Wie viele Kritikerbemerkten, warenausaltersgrúndennur
noch weníge der Grúndungsmitglieder vertreten, wáhrend
ihr Geist noch sehr lebendig war. Diese Bagutta-Maler der "Schule
von Burano", wo sie entweder mit Pio Semeghini oder im Hause des "Franziskanermalers
von Sternenund Wasser", Umberto Moggiòli, lange Monate der
Stille und der Arbeit in Gesellschaft ihrer Schriftstellerfreunde wie Diego
Valeri und Giovanni Comisso verbrachten, hatten nicht nur die táglichen
oder zwei-bis dreimal wóchentlichen geselligen Abendessen dem kleinen
venetianischen Dorf oder in Mailand (Bagutta) oder die Entdeckung und das
Malen von Burano oder die Anbindung des Nebels der lombardischen Hauptstadt
an das Grau der Lagune gemeinsam, sondern ganz besonders das Festhalten
von absoluten Momenten des Glúcks, der Wahrheit und der Kunst in
ein und derselben Atmospháre. Ihre Namen? Es sind viele. Dazu gehóren
Steffenini, Bucci, Barbieri, Labò, Arata, Monti, Salietti, Tallone,
Enzo Morelli, Novello, Vellani Marchi, Palazzi, Leonardo Borgese, Gigiotti
Zanini, Colognese, Vagnetti, Semeghini, Spilimbergo, Cavallet, Lilloni
und viele andere mehr, die in dem "Geist von Bagutta' vereint waren,
der viele hochsensible und antikonformistische Kúnstler fest miteinander
verband und noch verbindet, die fáhig waren, sich von allen "Ismen"
und von allen Modetendenzen fernzuhalten. Es ist nicht leicht, sich selbst
in der absolutesten Einfachheit treu zu bleiben. So etwas kommt einem jedoch
stets teuer zu stehen. TABET A ospitare il rarissimo incontro conviviale di tante Luciano Visintin
UNA VOCE Questo ristorante noto in tutto il mondo é, fatto
raro, anche una 'voce' di moltissimi dizionari ed enciclopedie. Alfredo
Panzini nel suo celebre "Dizionario Moderno" lo definì
così: "Premio fondato nel 1927 da giornalisti ed artisti per
aiutare il parto di geni giovanili". Obiettiva e distaccata invece
la definizione datane dal "Dizionario Enciclopedico Treccani"
e dal "Lessico Universale Italiano" edito nel 1969 dalla stessa
Fondazione Treccani. A pag. 546 del suo secondo volume si legge:"Trattoria
di Milano, ritrovo di artisti, scrittori, giornalisti, molto nota per l'
omonimo premio letterario - il primo istituito in Italia - che dal 1927
viene annualmente assegnato a una opera di scrittore italiano contemporaneo
da una giuria composta dai più noti frequentatori. DIE DISKRETESTEN "Die in diesem Loch an Gáste wie die Marktleute
von San Babila, den Blumenhándler von San Babila, der nach vielen
Jahren dort immer noch treu seine Rosen, Gladiolen und Pflrsichzweige im
Schatten der alten Sáule verkauft, und die ersten Taxi- fahrer gewóhnte
Sora Pepori und ihr Mann hatten Verstándnis dafúr, dass die
Fermente dieser Brigade obskurerjunger Mánner Entgegenkommen und
Achtung verdìenten. Und sie wusste auch, dass Bacchelli, der bereits
in Bologna das Restaurant "Pappagallo" entdeckt hatte, recht
viel von Kúche und Essen verstand. Vor ihren Augen war díe
halbe Geschichte der italienischen Literatur vorbeigezogen, vor ihr, der
Sora Giulia, die halb Mutter und halb áltere Schwester und immer
bereit war, den Armen ihre Schulden zu erlassen, wáhrend sie nie
gewillt war, Eingebildeten zu schmeicheln. Schóne Frauen, berúhmte
Schauspielerinnen, Schauspieler und Schriftsteller, Emma Grammatica und
Lucia Bosè als junges Mádchen, die Lollobrigida, damals noch
eine unbekannte Jugendliche, Ingrid Bergman mit dem Gesicht einer schwedischen
Studentin, Marinetti und Carlo CarràLilla Brignone und Diana Torrieri.
Marta Abba und Vera Vergani, Renato Simoni und Giorgio Strehler, Felice
Casorati und Giorgio De Chirico, Luigi Pirandello, Dario Niccodemi, Giovanni
Papini, Ardengo Soffici, lldebrando Pizzetti, Renato Simoni... alle waren
sie an ihrem Tisch zu Gast gewesen. Eine gute Frau, die alle wie ihre Kinder
behandelte, die alle ihre treuen Gáste gleich lieb batte, ob sie
erfolgreich waren oder nicht... Gute Nacht, Sora Giulia... Sie hatte eine
grosse Famille von eigenen Kindern und eine andere Farnilie von Tausenden
und Abertausenden von Baguttafreunden aufge-Baguttafreunden aufgezogen..."..
lhr áltester Sohn (sie batte sechs Kinder: Natale, Enzo, Italo,
Adriano, Mario, Felicita) wurde Pepori 11. Natale wurde von einer aussergewóhnlichen
Frau unterstiitzt, die an die Stelle der "Sora Giulia" trat.
Sie steht noch heute in der Kúche, bereitet ihre Gerichte zu und
beaufsichtigt mehrere Teile des Betriebes (im Jahre 1984 wurde ihr der
"Ambrogino d'Oro" verliehen, die hóchste Auszeichnung,
mit der die Gemeinde Mailand ihre arbeitsamsten Kinder oder besser gesagt,
diejenigen ehrt, die zur Grósse der Mailánder Metropole beigetragen
haben). Auch Enzo, noch ein ganz besonderer Pepori mit einer Schwáche
fúr Malerei und Pferde, ein sympathischer Mann, der nach seiner
Ernennung zum Ritter der Arbeit von Mario Vellani Marchi auf einer seiner
berúhmten Speisekarten verewigt wurde, h at sein Leben lang hart
gearbeitet. Heute wird das Lokal von "Pepori III" gefúhrt;
eigentlich sind es zwei, Adriano und Mario, die es vorgezogen haben, ihr
Leben ihrem geliebten Lokal zu widmen, tatt ihre Staatsexamen in Medizin
und Pharmazeutik zu nutzen, damit das schóne und aussergewóhnliche
Márchen von Bagutta weitergesponnen werden kann. Es wird dort auch
leidenschaftlìch Scopone (mitvier aufgedeckten Karten) gespielt;
denn Adriano und Mario sind passionierte Kartenspieler. Meistens spielen
sie am spáten Nach- mittag oder abends, nach dreiundzwanzig Uhr.
Mit ihnen spielen háufig Mario Soldati und wenige andere Auserwáhlte,
darunter die Journalisten Antonio Dini und Corrado Pizzinelli, der dieses
Búchlein erdacht, geschrieben und zusammengestellt hat.
" (The Restaurant)" Il Ristorante // Trattoria
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